das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.

Item Nº 2611

The Times, They Are A-Changin'

Verehrte Zielgruppe, nur wer eine rosarote Brille auf und »Ist ja alles supergut, ne« in den Ohren hat, kann negieren, dass sich die Weblog-Welt verändert hat. Und zwar nicht zu ihrem Vorteil. Klatsch, Pöstchenneid, Wichtiggetue, SEO-Müll. Greifen nach den Krümeln vom Kuchen unbekannter Größe. Angst, das große Ding zu verpassen. Halbherzig mitmachen. Nix verstehen. Trotzdem mitmachen. Selbsternannte Superstars. Das Comeback der Claque. Sprache benutzen, ohne sie zu beherrschen. Dummheit zur Tugend erheben. Mit pseudo-ironischer Distanz den eigenen Hang zum Allzu-Trivialen glorifizieren. Es saugt. Gewaltig.

Nächstes Indiz: Mein weiland, zu Beginn des Jahrtausends, erster Startpunkt in die damals noch übersichtliche deutschsprachige Blogwelt, das Weblogverzeichnis b|Logs, macht Schluss (via Konsumkinder), Zitat:

»Dann jedoch begann irgendwann die ‘Große Weblogschwemme’. Weblogs wurden zu dem, was die ‘Homepages’ davor waren …
Jeder startete plötzlich sein eigenes Blog. Egal, ob als privates Vergnügen oder mit kommerziellem Hintergrund (oft sollte ja der Unterschied absichtlich nicht zu erkennen sein).
Die Anzahl der Weblogs explodierte, die Qualität sank leider spürbar.«

Christian schaute sich jedes angemeldete Weblog selbst an, bevor es hinzugefügt wurde. Das geht heute nicht mehr. Kapitulation vor der Müllflut. Schade. Aber das ist wohl der Lauf aller Dinge, die irgendwann einmal ein »großes Ding« werden.

  1. Wer wagt es, zu behaupten, dass man etwas anderes erwarten konnte?

    Diese Entwicklung nehmen Dinge doch immer, wenn sie vom Besonderen ins Gewöhnliche, Verbreitete übergehen. Da ist eigentlich doch nichts dramatisch dran?

    Ich stelle nur an meiner Leseliste fest, dass sie langsam, aber kontinuierlich ein deutliches Übergewicht an Blogs gewinnt, die eindeutig persönlich geprägt sind. Manche natürlich auch thematisch – Webdesign, Literatur, auch mal Film – aber immer weniger Blogjournaille, immer noch weniger sogenannte »A-Blogger«, und praktisch überhaupt keine kommerziellen Blogs (ganz wenige aus o.a. Themengebieten ausgenommen).

    Die Blogs, die unter den Punkten zu subsumieren sind, die du oben zu Recht nörgelnd erwähnst, habe ich mittlerweile halbwegs weit aus meinem Aufmerksamkeitshorizont verbannt.


    boris    4.09.06    #
  2. Trackback von Netz-Kultur.com:
    Social Networking und das Demokratieverständnis

    Sicherlich ist die Zahl der Blogs explodiert. Sicherlich ist mehr Müll dabei als zu Zeiten, in denen das Wort “Blogs” irgendwie noch mit den Orks aus Herr der Ringe verwechselt wurde. Aber: War das nicht das Ziel der ganzen Unternehmung? ...
    Netz-Kultur.com    7.09.06    #
  3. War das nicht das Ziel der ganzen Unternehmung? Das Internet nach dem langsamen Sterben des Usenets durch viel zu bunte und schrille Werbewebsites, durch die Faulheit des medienverwöhnten Otto-Normal-Sufers, wieder öffentlich, pro-aktiv und einfach kommunikativ zu gestalten?

    Also auch Menschen mit weniger hochjournalistischen Ambitionen ein Forum der Selbstmitteilung zu bieten…

    Niemand zwingt dich zum Lesen ;-)


    Sebastian    7.09.06    #

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