das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.

Item Nº 2598

Terror und Glaubwürdigkeit

Dass die Londoner Terrorgeschichte gleich in den politischen Kochtöpfen der einheimischen üblichen Verdächtigen zum Zwecke der Zubereitung eines ekligen Süppchens landen würde, war so klar wie der Flüssigsprengstoff in der Shampooflasche des Terroristen.

Mich würde mal ein Meinungsbild interessieren: Glaubt Ihr vorbehaltlos, dass sich das alles so verhält mit den verhinderten Anschlägen? Nur Zufall, dass der britische Innenminister unsere Bürgerrechte einer angeblichen »Sicherheit« opfern möchte, politischen Gegenwind in der EU bekommt und darum die passende Bedrohung zeitnah nachliefert?

  1. Ich glaub, wenn man da verschwörungstheoretisiert, macht man es sich etwas zu einfach: Die Terroristen nur als Fiktion, um Orwell durchzuboxen, das nimmt die Kompliziertheit aus dem Problem, demokratisch-freiheitliche Gesellschaften gerade im Angesicht solcher Terroristen-Versuche, sie in diesem demokratisch-freiheitlichen Wesen zu sabotieren, demokratisch und freiheitlich zu halten. Dann gesteht man eigentlich zu: Ja, wenn es denn so wäre, dann wäre Orwell angebracht.


    Christian    11.08.06    #
  2. Trackback von plomlompom:
    plomlompom-Links am frühen Nachmittag

    Während man hierzulande noch opfermental über Terroranschlagsfiktionen der Innenminister wider die Bürgerrechte spekuliert, überlegen sich die Praktiker und Technokraten bei Slashdot bereits ...
    plomlompom    11.08.06    #
  3. Ich verschwörungstheoretisiere ja nichts, ich frage nur. Ich bin noch zu keinem klaren Bild gekommen, was da los ist.

    Spätestens seit der Lügenorgie damals vor dem UN-Sicherheitsrat (die Massenvernichtungswaffen-Beweis-Story), um sich den Irak-Feldzug legitimieren zu lassen, haben die Herrschaften, die Krieg gegen den Terror führen, in meinen Augen ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

    Und in Chemie war ich eigentlich immer fit. Die Sache mit den zwei Flüssigkeiten in der Shampooflasche, die ich im Flieger mixe und dann habe ich ne Bombe, die ich mit dem iPod zünde – nun ja, da war ich wohl gerade krank in Chemie…


    Ralf    11.08.06    #
  4. Sämtliche Flüssigkeiten im Handgepäck müssen im Beisein der Sicherheitskräfte angetrunken werden. Ob das die Reinigungsflüssigkeit für die Haftschalen bzw. die Optik an der Kamera, der Schnaps im Flachmann, das Asthmaspray oder die Achselschweissentferungsroller. Was interessiert es den Selbstmordattentäter, ob er im Flugzeugscheisshaus (wegen Durchfall) oder besoffen in der vollgeschissenen Reihe 34 mit Fensterblick explodiert.


    — Helmut    11.08.06    #
  5. Da hast Du völlig Recht, Helmut, diese Art der Kontrolle ist nicht sonderlich plausibel. Wer gerade plant, sich demnächst in die Luft zu sprengen, lässt sich sicher nicht von einem Schluck was-auch-immer davon abhalten.

    Ne ne ne.


    Ralf    11.08.06    #
  6. Ok, wenn man natürlich ernsthaft kritische Widersprüche in den Argumentationen entdeckt, kann man ruhig auch drauf einschlagen.

    Aber man sollte sich halt für sein Endziel—die Nicht-Orwellianisierung der Gesellschaft—nicht drauf verlassen. Geheimdienste und Regierungen können sich im Zweifelsfall hinter der Geheimhaltung konkreterer Informationen recht gut verstecken; man sollte IMHO viel grundlegender argumentieren, dass hundertprozentige Sicherheit nie gegeben sein kann und man in der Abwägung zwischen Sicherheitsleck und Bürgerrechtseinschränkung die liberalen und demokratischen Grundlagen dessen, was unsere Gesellschaft den Terroristen hassenswert macht, nicht aufzugeben.

    Wenn man dagegen bereits nur noch sich auf technische Detailfragen konzentriert, hat man diese Auseinandersetzung mit den Innenministern, die bei Bedarf einfach ein anderes Detail, einen anderen Fall hervorholen können, bereits verloren.


    Christian    12.08.06    #

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